Meine RAQS SHARQI - Geschichte

Ballett war meine erste Tanzerfahrung. Mit zehn Jahren tanzte ich in Spitzenschuhen und absolvierte vier Grade der Royal Academy of Dancing. Es fehlte mir noch einen Grad um mich beruflich als Ballett-Tänzerin zu entscheiden. Jetzt tanze ich Barfuss. Das Schicksal hat für mich einen anderen Weg gefunden.

Einmal habe ich in der Migrosklubschule ein Wochenendworkschop besucht, ich weiss sogar noch, wann das war: am 7./8. Dezember 1991. In der Ausschreibung stand: "Im Vergleich zu vielen anderen Tänzen hat er keine vorgeschriebenen Bewegungsabläufe. Im gemeinsamen Tanz mit anderen entstehen Lebensfreude, Glück, Spontaneität und Phantasie."

Da mir der Schulsport und auch andere Sportarten alle zu "eng" waren im Hinblick auf das "nur das" und man dies dann auch noch auswendig lernen musste, war ich vom Bauchtanz absolut begeistert, welche Freiheiten sich da anbietet. Und dann noch ästhetisch, schön und innerlich berührend der Tanz erlebbar war. So wusste ich: das will ich.

Nun hat die Bauchtanzbewegung die Schweiz noch nicht so gross erfasst wie Deutschland und ich musste auf ein passendes, regelmässigesTanzangebot warten. 1996 stolperte ich dann fast über ein Schild, dass in einer Einkaufsstrasse in Schaffhausen mitten auf dem Weg stand. Da bot doch tatsächlich eine persisch verwurzelte Frau diesen Tanz regelmässig in ihrem Studio an. Dort konnte ich wöchentlich einen Kurs besuchen und lernte neben der Technik auch die Lebensfreude, die diesen Tanz vermittelt, kennen.

Erna Fröhlich aus dem TAQSIM-Studio München wurde für ein Wochenende als Gastlehrerin von meiner damaligen Lehrerin eingeladen. Und mit Erna habe ich RAQS SHARQI kennen gelernt und mich in den Tanzstil sofort verliebt. Seit dem tanze und studiere ich diesen wundervollen Tanz.

Seit 2003 unterrichte ich in wöchentlichen Gruppen und freue mich diesen wunderschönen Tanz vielen Frauen zu vermitteln.

Dann kam der Moment, wo man mich immer fragte. Warst du denn schon mal in Ägypten? Irgendwie wurde erwartet, dass eine Europäerin RAQS SHARQI in Europa nicht lernen könnte. Um es selbst herauszufinden bin ich dann mit meinem Bruder 1997 das erste Mal nach Kairo und Luxor gereist. Und? Ich fühlte mich, als sei ich dort geboren. Tatsächlich bin ich in Bumbuli (Tansania) geboren. Allerdings, war ich kaum fünf Monate alt, als meine Familie in die Schweiz zurück kehrte. Aber das schönste war, dass ich die Musik und den Tanz wirklich wie in die Wiege gelegt erleben durfte.

Auf drängen hin von meiner Hauptlehrerin, Liza Wedgwood aus London, habe ich zuerst fast widerwillig eine Tanzreise nach Ägypten organisiert. Denn ich wusste, wieviel Arbeit dies war. Und doch fühlte ich den Drang in mir, dass dies auch meine Tanzschwestern erleben sollten. So "trommelte" ich 2008 die erste Reisegruppe zusammen für eine Tanz- und Kulturreise nach Ägypten. Tja und seit dem, reise ich fast jedes Jahr einmal nach Ägypten und zwar nach Luxor, da wo unsere Musiker-Familien leben und wir diese wundervolle Kultur erleben dürfen und vor allem die Wurzeln von RAQS SHARQI erforschen können.

Ich besuche auch Weiterbildungsseminare, die hier in der Schweiz im Bewegungs- und Gesundheitsbereich angeboten werden. Ich bin interessiert meinen Schülerinnen eine gute und gesunde Basis in der Bewegung mitzugeben, neben der Technik, Lebensfreude und Ausdrucksmöglichkeiten im RAQS SHARQI.

Mit dem Tanz verbunden setze ich mich auch mit der ägyptischen Kultur, Sprache und Musik auseinander. So lerne ich Arabisch, spiele die Nay und trommle auf der Tabla.

2009 habe ich mit meiner Tanzpartnerin, Anita Kopf und uns befreundeten Musiker, die Tanz- und Musikperformance "ORIENT meets JAZZ" in Überlingen am Bodensee uraufgeführt.

Und weiter gehts, denn die Ideen, Ausdrucksmöglichkeiten und Phantasien im und mit RAQS SHARQI gehen nie aus!